Sportakrobaten und Weilemer Schleuderbrettler gleich zweimal für einen guten Zweck unterwegs

Sportakrobaten und Weilemer Schleuderbrettler gleich zweimal für einen guten Zweck unterwegs. Die Sportakrobaten erfreuen die Bewohner und Besucher beim Sommerfest in Aalen im Albstift. Und einen Tag später begeistern die Weilemer und die Sportakrobaten mit einem gemeinsamen Auftritt beim Sommerfest der Konrad-Bisalski-Schule in Wört.

50 Jahre Schleuderbrett

die Weilemer“

1966 – 2016

Gegründet 1966. Karl Weiland wurde damals vom 1. Vorsitzenden der TSF Hofherrnweiler gefragt, ob er nicht auch etwas mit Akrobatik in Hofherrnweiler machen könnte. Karl Weiland, dem Urgestein der Akrobatik im Raum Aalen schwebte schon länger eine Schleudergruppe vor. Seine ersten Versuche, unter anderem bei der Freiwilligen Feuerwehr Aalen scheiterten. Nun nach der Anfrage von Reinhold Wengert startete er einen neuen Versuch. Bei den Turnern der TSF warb er für seine neue Gruppe.
Begonnen haben die „Weilemer“ der ersten Stunde noch mit ganz primitiven Mitteln. Bei den ersten Versuchen wurde von der Bühne der TSF Halle gesprungen und zur Landung dienten ganz normale Turnmatten. Da es mit immer besserer Technik auch immer höher ging waren die Landungen auf den Turnmatten alles andere als gelenkschonend. Dicke Knöchel waren an der Tagesordnung und man suchte nach Abhilfe. Die Lösung sollten ausgediente Bettmatratzen von zuhause bringen. Da diese Matratzen nicht sehr groß waren mussten immer mehrere zusammengebunden werden. Diese Notlösung brachte den Schleuderbrettpionieren den Spitznahmen „Matratzenspringer“ ein. 1968 kam der erste Auftritt der „Weilemer“ und die bis dahin teilweise Belächelten gewannen Respekt und Hochachtung.
1969 gewannen die „5 Weilemer“ zum ersten mal eine württembergische Meisterschaft. Zur ersten erfolgreichen Mannschaft gehörten Werner Kasper, Alfred Spaney, Herbert Danner, Manfred Schmid und Hansjörg Hegele. Diese Mannschaft blieb im Kern bis 1977 sehr erfolgreich und erzielte 9 Württembergische Meisterschaften, zwei Deutscher Vizetitel und fünf Deutsche Meisterschaften.
Rechtzeitig wurde nach Nachwuchs gesucht. Mit Jürgen Schöller, Alexander Hermann, Jürgen Oltersdorf, Günther Sanwald und Bernd Hegele waren junge Talente entdeckt worden und frühzeitig in die Mannschaft integriert worden. So konnte das Ende der Aktiven Zeit von Alfred Spaney und Manfred Schmid und dann kurz danach von Herbert Danner und Hansjörg Hegele zunächst kompensiert werden. Es folgte dann aber eine Phase, in der man meinen konnte den „Weilemern“ klebt das Pech an Füßen. Es begann mit kleineren Verletzungen die aber trotzdem bei den Betroffenen mehrere Wochen Trainingspause bedeutete bis hin zur wohl schwersten Verletzung, einem Trümmerbruch des Fußgelenks bei Jürgen Oltersdorf. In dieser Zeit konnten trotzdem zwei Württembergische Jugendmeisterschaften und eine Deutsche Jugendmeisterschaft gewonnen. Die Serie der Deutschen Meistershaften wurde aber aufgrund der Unglücksfälle unterbrochen. Fast wäre das Ende der Schleuderbrettler gekommen.
Es kam fast schon zu einem Neuanfang. Das Team bestand 1979 nur noch aus Werner Kasper, Bernd Hegele, Karl-Heinz Hegele, Manfred Huber und Bernd Göhringer. Ein kleiner, aber fleißiger Haufen um Trainer Karl Weiland. Zu der Zeit stoß Albert Jung zu den „Weilemern“. Dies war notwendig, da Werner Kasper sich beruflich veränderte und eine Stelle als TÜV-Prüfer in Ulm annahm. Durch die berufliche Veränderung zog er auch nach Oberelchingen um und musste letztendlich seine Karriere bei den „Weilemern“ beenden. Die Abteilungsleiterfunktion ging an Bernd Hegele über und die letzten Auftritte mit Werner, in seiner unnachahmlichen Art als Clown, vermischten sich mit den Auftritten der „neuen“ „Weilemern“.
In der Zeit kam Karlheinz Hegele zur Gruppe hinzu. 1982 kam eines der aufregendsten Auftritte der „Weilemer“. Es kam ein Anruf vom WDR, ob die Schleuderbrettler nicht Lust hatten beim Tele-Zirkus mitzumachen. Telezirkus war in dieser Zeit ein Fernsehformat bei dem der Zirkus Althoff durch Deutschland tourte und Showeinlagen mit Artistik verband. Die Artistik wurde damals überwiegend von „Künstlern“ aus der jeweiligen Gegend gezeigt. Schnell war klar, das können wir uns nicht entgehen lassen. Ein Kuriosum war dabei die Gagenverhandlung. Der WDR rief wieder an und Achim Hegele ging damals im Bären ans Telefon. Bernd war nicht da, aber war eingeweiht, dass die „Weilemer“ den Auftritt machen wollen. Der Redakteur des WDR wollte nach der Zusage durch Achim jetzt alles schnell unter Dach und Fach haben und fragte nach der Gage. Mit Achim war diesbezüglich nichts abgestimmt und er dachte sich, verlangst du zu wenig bist du der Depp, verlangst du zu viel springt der WDR vielleicht wieder ab. Er druckste herum, dass es ja doch einiges an Aufwand bedeutet, weil man drei Tage zu Proben nach Göppingen fahren müsse. Der Redakteur sagte, ob man mit 3000,- DM ins Geschäft kommen könne. Achim verschlug es regelrecht die Sprache da er in Gedanken bei 500,.- bis maximal 1000,- DM dachte. Da Achim ruhig war kam die Aussage vom Redakteur: „Also gut dann machen wir 4.000,- DM, und es sind alle Kosten, auch das Fahrgeld abgedeckt.“ Hier kann man nur sagen, verhandeln muss man halt können. Drei Tage lang ging es zur Probe nach Göppingen, und die „Weilemer“ brachten Uschi, sie war für die Kostüme beim Telezirkus zuständig, fas zur Verzweiflung. Das Trikot, das die Männer damals hatten war eine reinweiße Bluse und ein leuchtend blauer Kombi mit dünnen Trägern. Jedenfalls war das Weiß der Blusen für die Fernsehkameras zu grell und man wurde mit goldenen Hosen und einer cremefarbenen Bluse ausgestattet. Eigentlich kein Problem, aber die Hosen waren nicht geeignet. Sobald Manfred Huber für einen Doppelsalto anhockte platze die Naht der Hose. Alles möglich wurde versucht, am Schluss konnten die „Weilemer“ dann wenigsten auf ihre gewohnten Kombis zurückgreifen und mussten lediglich auf die cremefarbenen Blusen des WDR zurückgreifen. Um die Hosen noch aufzupimpen wurde von oben erwähnter Uschi und ihren Kollegen in der Nacht vor der Vorstellung an den Hosenbeinen Glitzerbänder von Hand angenäht.
Die Jahre zogen dahin, es gab viele Auftritte und auch die regelmäßigen Fahrten nach Spanien begannen. Von Karl-Heinz organisiert ging es alle zwei Jahre, zuerst nur mit Kleinbus und Anhänger, ab dem zweiten Jahr aber immer mit einem großen Reisebus ins spanische Calella, nördlich von Barcelona. Die „Weilemer“ und auch die Sportakrobaten wurden für die Eröffnungsveranstaltungen von drei sehr großen Sportturnieren engagiert, ein Fußballturnier mit bis zu 50 Mannschaften, ein Basketballturnier mit bis zu 80 Mannschaften und ein Handballturnier mit zu 120 teilnehmenden Mannschaften. Also richtige Megaveranstaltungen mit entsprechenden Eröffnungsfeiern. Für alle die die ganzen Jahre dabei waren immer ein Hammererlebnis. Toll war auch immer, dass man gleich an den ersten beiden Tagen nach der Ankunft die Auftritte machen musste und noch 5 Tage „Urlaub“ vor Ort machen konnte. Die Serie endete als der Organisator vor Ort seine Tätigkeit beendete und die Organisation an Andere übergab.
In diese Zeit fiel ein weiteres prägendes Ereignis. Karl Weiland beendete 1987 seine Tätigkeit als Trainer der „Weilemer“. Nach 21 Jahren unermüdlichem Einsatz, er war fast in jedem Training und bei jedem Auftritt dabei, war für den 80ig Jährigen Zeit sich sportlich zur Ruhe zu setzen. Ihm wurde nach seinem Tod im Jahre 1996 von der Stadt Aalen mit der Benennung der 1998 eingeweihten Sporthalle an der Friedrichstraße als Karl-Weiland-Halle ein Denkmal gesetzt.
Das Personal der Schleuderbrettler wechselte in den ganzen Jahren. Ende der 80er kam Germar Buggisch hinzu, kurz danach Lothar Feile. Albert Jung beendete seine Kariere als Schleuderbrettler. Mitte der 90er kamen dann Markus Pfeiffer und Tobias Lindig hinzu. Es wurden in einer fast schon automatisierten Regelmäßigkeit die Württembergischen Meisterschaften gewonnen. Mit den Deutschen Meisterschaften war es aber 1984 aus. Der Kunstkraftsport hatte sich in die Sportakrobatik gewandelt und damit auch die Vereinheitlichung der Disziplinen. Schleuderbrett gab es international nicht und zudem mit höchstens immer zwei teilnehmenden Gruppen nicht unbedingt eine sehr starke Konkurrenz. Der Deutsche Sportakrobatik Bund überarbeitete seine Disziplinliste und die „Exoten“ Schleuderbrett und Trapez wurden gestrichen. Lediglich der Württembergische Sportakrobatik Verband hielt an der Tradition Schleuderbrett fest, da diese Disziplin auch mit ein Grund war den Verband überhaupt zu gründen. Vorher zusammen mit den Gewichthebern und Rasenkraftsportlern im „Kraftsportverband“ vereinigt wurde 1974 der WSAV gegründet, initiiert von Werner Kasper und als Schleuderbrettler damals erster 1. Vorsitzender des neuen Verbands.
Ende der 90er hörten wieder einige auf. Lothar Feile und Tobias Lindig beendeten ihre teilweise kurze Karriere und Tobias Hegele begann als Jungspund mit den ersten Sprungversuchen. Die Jahrtausendwende kam und Karl-Heinz Hegele beendete seine Karriere. Neu Gesichter kamen. Markus Pfeiffer, Heiko Hoffmann, Oliver Hegele kamen und mit Ricarda Meyer war nach über 30 Jahren wieder mal eine „Weilemerin“ die bei Auftritten und Meisterschaften dabei und damit der Namen „fliegende Männer der Vorstadt“ obsolet. Hinzu kamen dann Michaela und Kathrin Goßgilion. Beide waren vorher erfolgreiche Sportakrobatinnen in Trios und Paaren.
Und dann geschah 2004 etwas noch nie Dagewesenes und nie Geglaubtes. Die „Weilemer“ konnten an den Württembergischen Meisterschaften nicht teilnehmen Heiko Hoffmann und Bernd Hegele verletzten sich vor den Meisterschaften so, dass eine Teilnehme nicht möglich war. Nach 35 Titeln in Folge war die Serie unterbrochen. Eine Enttäuschung für alle.
Auch die Anzahl der Auftritte ging kontinuierlich seit Beginn der 90er zurück. Waren es früher sehr viele Auftritte bei Vereinsfeiern die überwiegend in großen Festzelten stattfanden wurden es mehr Veranstaltungen bei Firmen und vor allen Dingen in Hallen. Und scheint manchmal ein Handicap zu sein. Sehr oft musste man bei Anfragen ablehnen, ablehnen, weil die erforderliche Höhe oder der erforderliche Platz in der Fläche nicht vorhanden ist. Wenn es noch Auftritte gab, dann fast nur noch bei Veranstaltungen in ganz großen Hallen. In letzter Zeit kommen auch wieder vermehrt Anfragen vom Fernsehen, aber dabei handelt es sich ausschließlich um Casting-Shows, und das ist nun wirklich nicht das was die „Weilemer“ wollen.
Vor 10 Jahren wurde das 40 jährige Bestehen der „Weilmer“ auch mit einem großen Fest gefeiert. Zur Freude aller, kamen fast alle, die einmal das unglaubliche Gefühl „Schleuderbrett“ kennengelernt hatten. Das Prickeln unmittelbar bevor es bei Wettkämpfen oder Auftritten auf die Bühne geht. Das unglaubliche Erlebnis, wenn man nach einem Sprung den Applaus und den Jubel vom Publikum abholt. Die Gewissheit, dass man sich zu 100% auf seine Partner verlassen kann. Die eingeschworene Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl das sich nur entwickeln kann wenn man unzählige Stunden miteinander verbringt, im Training, bei Auftritten, bei den Fahrten zu den Auftritten und beim gemeinsamen Feiern wenn es mal wieder ein Erfolg war. Einige nahmen die Gelegenheit war und versuchten, was noch vom alten „Fluggefühl“ da ist, die Frage ob der Körper die Belastung noch mitmacht.
Bei vielen Faschingsveranstaltungen waren die Schleuderbrettler das Highlight auf der TSG-Bühne. Mit den unglaublichsten Themen und Geschichten hat in den frühen Jahren vor allen Dingen Werner Kasper immer wieder seine Ideen umgesetzt. Doch im Laufe der Jahre wurde das immer schwieriger. Die Sprünge wurden nach dem Wechsel des Trainingsorts und einer Umstellung des Sprungstils immer höher. Die TSG-Bühne mit ihren 5,20 Meter Höhe machte die schwierigeren Sprünge fast unmöglich. Erst 2006 fand das damalige Team eine Möglichkeit wieder auf der TSG-Bühne Schleuderbrett zu springen. Der Turm, bis dahin unumgänglicher Ausganspunkt für alle Sprünge blieb einfach weg. Der Springer kam jetzt von schräg hinter dem Flieger und sprang mit einem Anlaufschritt über die Brettmitte auf das Polster. Mit dieser Art kam deutlich weniger Druck für den Sprung und man konnte wieder auf die TSG Bühne. Sprünge wie Aufeinander oder Doppelsalto waren jetzt bei Fasching wieder machbar. Eine ganz neue Erfahrung für das damalige Team. Mit dem Thema „Schuh des Manitu“ wurde Akrobatik, Klamauk und Show optimal verbunden.
Im Laufe der letzten 10 Jahre kam auch noch eine Menge an Veränderungen. Heiko Hoffmann beendete seine Karriere. Bernd Hegele musste nach einer schweren Verletzung auch aufhören und steht seither nur noch mit Rat zur Verfügung, an Tat ist nicht mehr zu denken. Mit Florian Renner kam ein neuer Springer hinzu, der sich optimal in Gruppe einfügte. Michi und Kathrin Goßgilion beendeten, bzw. pausierten wegen ihrer erfreulichen Familienplanung, beide wurden Mama, und auch die zwischenzeitlich hinzugekommenen Ronja und Tim Böhringer hörten wieder Auf. Ronja konnte es einfach mit ihrer schulischen Ausbildung nicht mehr verbinden und mit Tim verloren wir einen talentierten Flieger, der sich aber einfach im Team nicht richtig zurechtfanden. Hinzu kamen dafür Ende 2013 Ann-Kathrin Schäffer und Larissa Schnee.
Inzwischen hat die direkte Verbindung zu den Sportakrobaten auch einiges geändert. Vermehrt werden Auftritte Schleuderbrett und Sportakrobatik zusammen gemacht. Da es bei den Schleuderbrettlern sehr schwierig ist Choreographie in den Auftritt einzubinden und so noch mehr Attraktivität zu erreichen, ist dies für die Sportakrobaten ganz normal. Wie gut das zusammen geht, wurde bei der Turngala 2016 gezeigt. Zum ersten Mal für die „Weilemer“ wurde der Auftritt mit einem Thema gemacht. Transformer, der Film stand Pate und aus dem Bock wurde ein überdimensionaler Roboter (zumindest ansatzweise). Aufeinander abgestimmte neue Trikots, eingeübte Choreographie und dann sogar noch ein nie dagewesener Sprung begeisterten das Publikum in der restlos ausverkauften Ulrich-Pfeife-Halle.
Die „Weilemer“ gibt es nach wie vor, vielleicht sind sie nicht mehr so präsent und bei so vielen Auftritten, aber die, derzeit zum Team gehören, Kathrin Goßgilion (nach Babypause) Ann-Kathrin Schäffer, Larissa Schnee, Manfred Huber, Florian Renner und Tobias Hegele sind mit Herzblut bei der Sache.

„Fliegende Männer von Aalen“ sind 50+

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